Anziehende Unruhe
Updated: Jan 3
„Was magst Du an Gott?“ – Der 10-Jährige denkt nach. „Na“, sagt er, „dass er lieb und nett ist.“ Der liebe, nette Gott. Gut auf den Punkt gebracht. Die Sehnsucht nach dem Alles-gut-Gott.Der mich tröstet. Mich heilt. Mir hilft. Und die Härten des Lebens einfach fortzaubert, auf dass das Glück zunehme und aller Schmerz sich auf ewig verkrümeln möge. Der liebe nette Gott – das wäre doch wahrhaft nett, oder?

„Wenn er ihn hörte, wurde er sehr unruhig. Doch er hörte ihn gerne.“
So liest sich das Fazit der Gespräche zwischen Herodes und Johannes. Johannes ist Prophet. Herodes König. Johannes Worte lassen Herodes unruhig werden. Der Prophet nimmt keine Blatt vor den Mund. Der König ist durchschaut und fühlt sich zugleich erkannt; nicht umschmeichelt wie sonst von seinen Lakaien, sondern schlichtweg mit der ehrlichen Wahrheit konfrontiert. – Das beunruhigt. Und zieht ihn zugleich an. Tief im Inneren tut es gut, zu hören, wie die Dinge wirklich sind. Diese Unruhe ist typisch für Gott. Oder, besser gesagt, für Menschen, die Gott spüren.Wenn sie in den Raum hinein geraten, in dem sich Gott spüren lässt, dann ist das „unsettling“. Aufrüttelnd. Augenöffnend. Beunruhigend und anziehend zugleich. Etwas tritt mir klar vor Augen. Etwas, vorher undenkbar war. Das Geschichtenbuch der Mensch-Gott-Begegnungen quillt über von genau diesen Berichten:
Da ist Abraham. Gott lässt ihn nachts die Sterne zählen und raunt ihm ins Ohr: „So unfassbar groß wie die Sternenzahl, wird der Segen sein, den ich durch Dich in die Welt bringe!“
Da ist Ruth. Sie hat ihren Mann verloren. Und zwei weitere Menschen aus seiner Familie. Doch statt einen Fluch in der Schwiegerfamilie zu vermuten, will sie der Spur ihres Gottes folgen! Sie zieht los. Wie Abraham weg von zuhause. Berechenbarkeit – passé! Sicherheit – Adiéu! Migriert von Moab nach Israel. Macht sich zur Ausländerin. Gibt Rechte auf. Alles um Gottes ‚vibes‘, die sie gespürt hatte, näher zu kommen.
Da ist Mose. Begabt und ambitioniert. Ein Anführer mit Talent. Auf so einen hatten alle gehofft. Doch dann, in einem Moment des Jähzorns wird er zum Mörder, diskreditiert sich selbst, muss fliehen. Jahrzehnte als Viehzüchter. – Gott? Gibt’s den noch für Mose? - Ja! Nach 40 Jahren. Dort im Busch. Brennend heiß. Und unfassbar direkt: „Mose, geh los! Sag dem Pharao, dem mächtigsten Mensch der Welt: Deine Sklaven sind mein Volk. Lass sie frei!“
So verschieden diese Menschen, ihre Zeiten und ihre Geschichten sind – eins ist gleich: Menschen werden berührt – von Gott, höchst direkt und ganz ungeplant. Und jedes Mal erschüttert diese Gottes-Berührung das Gewohnte, das Sichere, das Übliche. Sie schafft Unruhe. In dem Maße, wie diese Menschen dann in Resonanz gehen mit dem göttlichen Impuls, ändert sich ihr Lebensweg: in Richtung auf eine unvorhersehbare, risikoreiche Zukunft.
Warum beunruhigt Gott? – Die Unruhe Gottes, verändert und formt Menschen, schickt sie auf neue Weg, weckt längst verlorene Träume, küsst Sehnsüchte wach und setzt Menschen auf Pfade, die eins gemeinsam haben: Sie führen zu einer tiefen Menschen verbindenden Ruhe! Die Unruhe, die Ruth und Mose und Abraham erleben, macht sie bereit für die Ruhe Gottes. Für durchdringende mächtige Gut-Kraft. Für einen machtvoll ermächtigenden, befriedenden Frieden. Für Shalom. – Das Herz spürt es. Ich merke: „Diese Beunruhigung tut mir gut!“ Tief im Inneren bin ich angezogen von der beunruhigenden Worten. Wie Abraham. Wie Ruth. Wie Mose. Sie folgen dem Impuls. Laufen auf zwei Füßen in Richtung Unruhe. Weil sie spüren: Diese Unruhe wird sie zu einer gelebten tiefen, guten, lebenserfüllenden Ruhe führen.
Gottes Impulse sind Anstöße. Anstöße geben träger Maße Schwung. Schwung in eine Richtung. Doch warum das? Warum braucht mensch Gottes Schwung-Impulse? Stimmt was nicht mit dem eigenen Schwung, der eigenen Energie, der eigenen Richtung??? Offensichtlich nicht. Offensichtlich lohnt e sich den Anstößen der Geist-Kraft zu folgen. Offensichtlich brauchen wir die Unruhe Gottes, um zum Eigentlichen zu finden.Offensichtlich sind ...
... unsere eigenen Hoffnungen zu schwach,
... unsere Träume zu klein,
... unsere Wünsche zu verkümmert,
... unsere Sehnsucht zu oft eingeschlafen,
... um das zu empfinden und empfangen zu können,
... was im eigentlichen Sinne zu leben bedeutet.
„Ja, Gott, beunruhige mich. Ich höre Dich sehr gerne!“


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