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Das Kind im trauten Kreis der Mörder

Writer: Andreas Rauhut
Andreas Rauhut
Jan 11
2 min read

Der Bericht über den 12-Jähringen Jesus ist einzigartig. Es ist das einzige Textstück, das mir einen Einblick in die Kindheit und Jugend Jesu gewährt. Das Wesentliche steckt dabei schon in den Sätzen, die die ganze Geschichte rahmen: Am Anfang und am Ende wird davon berichtet, dass Jesus wuchs, zunahm, heranreifte. Und dass dieser Prozess unmittelbar von Gott begleitet, begünstigt und ermöglicht wurde. Gott steckt also mittendrin in den ‚ganz natürlichen‘ Entwicklungsschritten und -phasen. Es geht ihm nicht nur um das Außergewöhnliche, um heilsam-dramatisches Rettungshandeln, sondern zuallererst um unsere natürlichen Prozesse des Heranreifens, die er begleiten kann; und in denen er Gunst geben will.

Die Geschichte selbst ist reichhaltig: Die positive Prägekraft der Rituale und Rhythmen der geistlichen Tradition, in der Jesu Familie steht, klingt mehrfach an. Dann ist da Jesus selbstverständliches Handeln, was seinen Eltern gar nicht schmeckt (vgl. ihre Vorwürfe!), für das sich Jesus aber auch gar nicht entschuldigt.


Mich aber berührt, bewegt und erschüttert am stärksten das Bild des Heranwachsenden Jesu im Kreise der Geistlichen, religiösen Führer und Spirituale seines Volkes. Er genießt diese Runden, vergisst Zeit und Raum, ist ganz im Flow und geht auf in dieser Gemeinschaft, die ganz der Erforschung und   Anbetung Gottes gewidmet ist. Und die führenden Geistlichen? Sind erstaunt, freuen sich an ihm, lassen ihn in ihrer Runde gewähren. Toll, oder?

Ja, aber viel mehr noch ist dieses Bild beängstigend, grausam und geradezu von übelerregender Ekel, wenn ich daran denke, dass ein Gutteil derjenigen die hier mit Jesus im trauten Krise sitzen genau diejenigen sein werden, die ihn 21 Jahre später anklagen, verleumden und voll Genugtuung in den Foltertod am Kreuz schicken werden. – Wie kann er nur der Gemeinschaft dieser Menschen so  hold und traut sich and er Gottesgemeinschaft freuen? Wie kann er ihren Lehre über Gott lauschen, wenn genau diese Menschen es sein werden, die Gotte eigentliches Handeln in ihm, in Jesus selbst, trotz erdrückender Evidenz und Klarheit, wenn man nur feinhörig und herzensbereit genug wäre, zur Seite schieben? Wie geht das – im Kreise der genau gleichen Menschen vertraut Gott anbeten und sein Wort studieren und zugleich später von diesen Menschen übelste Verleumdung erleben??? – Es geht! Ganz offenkundig. Jesus macht es vor. Und nichts an seiner Freude über diese Gemeinschaftsrunde mit diesen  Menschen war falsch, unreif oder naiv.


Nein! So ist das Leben mit anderen, auch mit anderen Christen, auf dieser Erde. Hier und jetzt ist nicht zur sortieren nach der Reinheit der Motive. Hier und jetzt ist in Gottes Kirche nicht der Weizen vom Unkraut zu trennen. "That will happen all by itself. In God’s final right and perfect judgement." – Hier und jetzt ist nur schlichtweg mit denen im Kreis zu sitzen, die sich gerade zu Gott hingezogen fühlen.

 
 
 

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